Neues aus dem Haifa Heim

Die Bewohner des ICEJ-Heims für Holocaust-Überlebende in Haifa haben die jüngste Eskalation des langen, intensiven Krieges mit dem Iran und der Hisbollah durchgestanden und genießen nun die Sommermonate. Sie leben ihre Kreativität und Kunst aus und bereichern damit die ganze Gemeinschaft.

Fragiler Waffenstillstand zum Sommerbeginn 

Trotz der anhaltenden Kämpfe mit der Hisbollah im nahegelegenen Libanon ist es in Haifa ruhig geblieben. Es ist wärmer geworden und die Natur steht in voller Blüte – die perfekte Gelegenheit, unsere Bewohner so oft wie möglich nach draußen zu bringen.

Ausflüge an die wunderschönen Strände von Haifa waren für viele unserer Bewohner ein echtes Highlight. Nachdem sie so lange in ihren Zimmern sein mussten, nur von Wänden und Decken umgeben, war die erfrischende Meeresbrise und der endlose Blick aufs Meer eine Erfrischung für Körper, Geist und Seele. Mit einem leckeren Eis als Abschluss war das Ganze wirklich eine gelungene Aktion.

Einige Gymnastikstunden fanden sogar am Strand statt – mit Übungen im Sand, Laufwettbewerben mit den Betreuern und viel Lachen und Spaß. Das ICEJ-Team sucht ständig nach kreativen Wegen, um unsere wertvollen Holocaust-Überlebenden zu unterstützen und zu pflegen.

„Das hat so viel Spaß gemacht“ sagten unsere Bewohner mit einem breiten Lächeln, als sie von der Strandgymnastik zurückkehrten.

Das eigene Land und Erbe kennenlernen 

Unsere ukrainisch- und russischsprachigen Bewohner freuen sich weiterhin sehr über  Vorträge über das Land Israel, die gelegentlich mit Ausflügen und Exkursionen verbunden werden.

Diesmal besuchte die Gruppe das Hecht-Museum in Haifa. Das Museum liegt auf dem Campus der Universität Haifa und konzentriert sich auf Archäologie und Kunst des Landes Israel. Es bietet faszinierende Einblicke in die antike Vergangenheit der Region. 

„Wunderbar! Ich liebe, wie Israel Haifa auf den Bergrücken gebaut hat – mit Gebäuden und Bäumen –, und die Universität ist ebenfalls beeindruckend“, sagte Arnold vom obersten Stockwerk der Universität mit Blick über die Stadt.

Sonia, die oft im Haus bleiben muss, freute sich sehr, hinauszukommen und etwas Neues zu entdecken. „Das Museum ist wunderschön – so schön und ruhig – und die antiken Artefakte haben mich wirklich beeindruckt“, versicherte sie. 

Auf dem Rückweg zum Haifa-Heim erzählte Lena: „Obwohl ich bei der Ankunft sehr müde war, fühle ich mich jetzt an Körper und Seele erfrischt. Diese Ausflüge helfen mir, Israel noch mehr zu lieben.“

Geburtstage — Immer ein guter Grund, das Leben zu feiern 

Die Geburtstage unserer Bewohner zu feiern, bleibt ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Viele von ihnen haben keine Familie in der Nähe oder niemanden, mit dem feiern können. 

Wenn wir mit Liedern, Luftballons und einer Geburtstagskarte ankommen, bedeutet es ihnen so viel zu wissen, dass man an sie denkt und geliebt zu werden. Als Teil der Geburtstagsfeier legen wir auch einen Gutschein für unseren Schönheitssalon bei.

Abschied nehmen 

Kürzlich hatten wir einen besonderen Abschied, der sowohl freudig als auch bittersüß war. Wir wünschen der Krankenschwester Christine vom ICEJ-Heim in Haifa alles Gute.

Christine, ursprünglich aus Deutschland, stieß vor vier Jahren zu unserem ICEJ-Team im Haifa-Heim. In dieser Zeit wurde sie zu einem unschätzbaren Teil unseres Teams. Als Krankenschwester überwachte sie sorgfältig die Gesundheit unserer Bewohner und eignete sich ein umfangreiches Wissen über das israelische Gesundheitssystem an. Außerdem lernte sie fließend Hebräisch und brachte viele weitere Fähigkeiten und Gaben in unsere Gemeinschaft ein.

Christine hat in Israel einen Partner gefunden, geheiratet, und nun erwarten die beiden Nachwuchs. Sie hat inzwischen ihren Mutterschaftsurlaub angetreten – der freudige Teil des Abschieds. Gleichzeitig werden die Bewohner und das Personal sie schmerzlich vermissen. Sie hinterlässt eine große Lücke in unserer Haifa-Heim-Familie. Ihre medizinische Fachkenntnis, ihre fließenden Hebräisch- und Russischkenntnisse sowie ihre Erfahrung im Umgang mit dem israelischen Gesundheitssystem sind nicht leicht zu ersetzen, besonders für Freiwillige aus dem Ausland. Für ihren Abschied, haben wir zusammen mit den Bewohnern eine Babyparty organisiert, bei der jeder die Gelegenheit hatte, ihr für ihren Dienst zu danken und ihr alles Gute für diesen neuen Lebensabschnitt zu wünschen. Derzeit ist noch ungewiss, ob Christine nach ihrem Mutterschaftsurlaub zurückkehren wird.

Schawuot-Feier 

Schawuot – das biblische Wochenfest – wurde Ende Mai gefeiert und fiel in diesem Jahr zeitlich nah an Pfingsten. Das Fest wird auch als „Übergabe der Tora“ bezeichnet. Viele unserer jüngsten Aktivitäten drehten sich um dieses schöne biblische Fest. Eine örtliche Schulklasse besuchte unsere Bewohner zum gemeinsamen Singen und zu besonderen Aktivitäten rund um das Thema Shawuot.

Auch in unseren Hebräisch-Kursen und Kunsttherapie-Sitzungen thematisierten wir das Fest. In der Kunsttherapie malte jeder Teilnehmer eines der sieben Früchte des Landes Israel (5. Mose 8,8) – die sieben wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die im Land heimisch sind. Am Ende der Aktivität erhielt jeder einen schönen Korb mit einem Kunstwerk, das von einem der Bewohner gemalt worden war. 

„Chag Sameach“ („Ich wünsche dir ein fröhliches Fest“) ist der Gruß, der in den Tagen vor Schawuot in ganz Israel üblicherweise gewünscht wird.

Ritas Kaffeeliebe

Rita, eine unserer geschätzten Bewohnerinnen, die durch ihren Auftritt in der Dokumentation Miss Holocaust weltweit bekannt wurde, hat Cafés schon immer geliebt. Viele Jahre lang gehörte es zu ihren schönsten Gewohnheiten, sich mit Freunden auf eine Tasse Kaffee zu treffen.

Mit den Jahren ist es für sie jedoch deutlich schwieriger geworden, das Haus zu verlassen. Doch unser Team ist überzeugt, dass Herausforderungen vor allem Chancen sind, besondere und bedeutungsvolle Momente zu schaffen.

Vor Kurzem eröffnete mitten in einem wunderschönen Park, unweit des Heims, ein neues Café. Unsere Physiotherapeutin Simcha lud Rita und ihre Betreuerin zu einem besonderen Ausflug dorthin ein. Der Weg erforderte einiges an Anstrengung – einschließlich eines Stücks zu Fuß und der letzten Strecke im Rollstuhl – doch jeder Aufwand hat sich gelohnt.

Die Freude in Ritas Gesicht war ansteckend. Sie genoss den Kaffee, die ruhige Atmosphäre inmitten der Natur und die Möglichkeit, wieder einmal etwas Besonderes zu erleben. Seit diesem Ausflug spricht sie ununterbrochen davon. Für Rita bedeutete dieser scheinbar einfache Cafébesuch die Welt.

Ein Flohmarkt der Großzügigkeit

Vor Kurzem haben wir im Heim erneut einen Flohmarkt veranstaltet und damit einen ganz gewöhnlichen Tag in ein fröhliches und lebendiges Gemeinschaftserlebnis verwandelt.

Im Laufe der Zeit wurden unseren Bewohnerinnen und Bewohnern viele Dinge von Gästen aus dem Ausland geschenkt. Andere Gegenstände stammten von Bewohnern selbst, die sie gerne an andere weitergeben wollten. Anstatt diese Dinge ungenutzt aufzubewahren, entstand die Idee eines Flohmarkts, bei dem alles kostenlos ist.

Direkt vor dem Speisesaal kamen Bewohnerinnen und Bewohner, Pflegekräfte und Betreuende zusammen. Im Hintergrund spielte Musik, und immer wieder blieben Besucher stehen, um in Ruhe zu stöbern. Alle waren eingeladen, sich die Dinge auszusuchen, die ihnen gefielen oder die sie gut gebrauchen konnten. Am Ende der Veranstaltung hatte fast jeder Gegenstand ein neues Zuhause gefunden.

 

 


 

 


Wie die Haifa Heim Bewohner den Iran Krieg überstehen

Es war ein schwieriger Frühling für die Bewohner unseres Hauses für Holocaust-Überlebende in Haifa, da sie ständigem Raketenbeschuss aus dem Iran und dem Libanon ausgesetzt sind. Doch auch in dieser Zeit, in der sie sich an die dunkle Zeit des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden erinnern, sind sie tapfer.

DIE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGES AUF UNSERE BEWOHNER


Wir befinden uns derzeit in einem wackeligen Waffenstillstand. In den vergangenen Wochen haben die Raketenalarme während dieses intensiven Krieges mit dem Iran bei unseren Bewohnern oft Erinnerungen an ihre Kindheit während des Holocausts wachgerufen. „Die Sirenen versetzen mich immer wieder in meine Kindheit zurück“, erzählte Chaya. „Während des Zweiten Weltkriegs hatten wir Sirenen, wann immer Flugzeuge über uns hinwegflogen, und ihre Bomben abwarfen, und unser Haus bebte von den Explosionen. Wir hatten solche Angst …“ Heute verbringt Chaya viele Nächte während des Krieges mit dem Iran schlafend in unserem Bunker.

Renate, die gerade in eine andere Wohnung umgezogen war, hat keinen leichten Zugang zum Luftschutzbunker. Sie schafft es, sich an einen Ort in ihrer Wohnung zu begeben, der weit von den Fenstern entfernt ist und an dem sie sich sicher fühlt. Als der Waffenstillstand mit dem Iran begann, gab es weiterhin zahlreiche Raketenangriffe der Hisbollah aus dem Libanon, die Haifa zum Ziel hatten. „Plötzlich ergriff mich eine überwältigende Angst, als die Sirene losging“, erklärte Renate. „Ich versuchte, zu meinem sicheren Ort zu gehen und setzte mich in meinen Rollstuhl. In Gedanken versuchte ich, diese Angst zu bekämpfen und suchte etwas Lustiges auf meinem Handy. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder verschwand.“ Der Lärm der Sirene ist noch derselbe wie während des Zweiten Weltkriegs, als Renate ein Kind war und ständig Alpträume von den Kämpfen um sie herum hatte.

Wie kommen unsere Bewohner zurecht? Einige versuchen, ihre Gedanken mit positiven Dingen zu füllen, etwa mit Humor, und nicht nur mit Nachrichten. Das hilft ihnen, den Tag zu bewältigen. Andere versuchen, den Kopf oben zu behalten und sich auf die Wunder zu konzentrieren, die sie in diesem Krieg erlebt haben. So schlug beispielsweise eine iranische Rakete in Haifa ein, ohne abgefangen worden zu sein. Trotz des tragischen Verlusts von Menschenleben bei diesem Vorfall verhinderte die Tatsache, dass der Sprengkopf nicht explodierte, noch mehr Tote und erhebliche Zerstörung. Ein Wunder! Oder jemand, der es gerade noch aus dem Bett geschafft und den Schutzraum erreicht hatte, während wenige Minuten zuvor Splitter an genau der Stelle niedergegangen waren, an der er geschlafen hatte. Was unsere Bewohner ermutigt, ist ihr Gemeinschaftsgefühl. Das Teilen dieser Erfahrungen, gemeinsame Mahlzeiten und die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten geben ihnen viel Kraft.

 

GESCHICHTE ISRAELS UND DER TANACH

Die russischsprachigen Bewohner des Hauses in Haifa haben die alle zwei Wochen stattfindenden Vorträge über die Geschichte Israels sehr genossen. Diejenigen, die in den vergangenen vier Jahren aus der Ukraine nach Israel gekommen sind, sowie andere russischsprachige Überlebende, die bereits in den 1990er Jahren nach Israel kamen, wussten kaum etwas über das beeindruckende Land, in dem sie nun leben. Aus diesen Vorträgen entstand die Idee, zusätzlich Vorträge über die biblische Geschichte des jüdischen Volkes anzubieten, wie sie im Tanach (Altes Testament) beschrieben wird. Viele unserer Bewohner sind in der sowjetischen kommunistischen Zeit aufgewachsen und hatten keinerlei Wissen über ihr biblisches Erbe als Volk. Zwei Mitglieder unseres ICEJ-Teams, Maria und Nancy, unsere Kunsttherapeutin, kombinierten die Geschichten der Tora (die fünf Bücher Mose) mit Gemälden verschiedener Künstler, die jede dieser Geschichten darstellen. Die Bibelstunde vor Pessach behandelte die Geschichte von Josef und erklärte, warum das Volk Israel nach Ägypten kam. Dadurch konnten unsere Bewohner Pessach diesmal mit viel mehr Wissen über den historischen Hintergrund des Festes feiern. „Alles, was ich hier gelernt habe, ist neu für mich und hat mein Herz berührt. Ich möchte unbedingt, dass es weitergeht“, sagte Boris. „Für mich war ebenfalls alles neu, und ich fand es sehr interessant. Ich hoffe sehr, dass wir noch mehr hören werden“, antwortete Arnold.

 

GEDENKTAG FÜR DIE OPFER DES HOLOCAUST

Als wir kürzlich an Jom HaSchoa – den jährlichen israelischen Holocaust-Gedenktag begingen, und es einen vorübergehenden Waffenstillstand mit dem Iran gab, feuerte die Hisbollah im Libanon weiterhin Raketen auf Nordisrael ab. Es waren 81 Jahre seit dem Ende des Holocausts vergangen und fast 78 Jahre seit der Gründung des Staates Israel. Es ist ein sehr ernüchternder Gedanke, dass die Nationen wenig aus der Geschichte gelernt haben und dass der Antisemitismus, insbesondere in der westlichen Welt, in den letzten Jahren weiter stark zugenommen hat. „Hast du gehört, was gestern in München, Deutschland, passiert ist?“, fragte Chaya mich und erzählte von einem Angriff auf ein israelisches Restaurant dort. „Das erinnert mich an die Progrome, die dort vor Jahren stattgefunden haben.“Der zunehmende Antisemitismus ist etwas, das unsere Bewohner nicht verstehen. Warum wird das jüdische Volk immer wieder so sehr gehasst?

Doch nicht alles ist schlecht. „Ich bin sehr ermutigt durch Christen, die uns nicht vergessen, sich die Zeit nehmen, uns zu schreiben und uns sogar besuchen und bei uns arbeiten“, sagte Chaya. „Das ist echte Liebe, nicht Hass. Ich erzähle allen, mit denen ich spreche, von dem, was ihr für uns tut.“

Die Tage rund um den Holocaust-Gedenktag sind für unsere Bewohner immer sehr schwierig. Die Überlebenden, die noch dazu in der Lage sind, verspüren ein tiefes Bedürfnis, ihre persönlichen Holocaust-Geschichten zu teilen, und verschiedene Bewohner werden zu unterschiedlichen Foren eingeladen, um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Auch israelische Fernsehteams kamen, um sie im Vorfeld von Jom HaSchoa zu interviewen, doch mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, all die Details wiederzugeben. „Ich will es erzählen, und ich tue es“, sagte Chaya, „aber die Erinnerungen werden so lebendig, dass ich Tage brauche, um mich davon zu erholen.“ „Dieses Jahr ist das letzte Mal, dass ich es mache“, sagte Rachel voller Emotionen. „Es ist zu schwer für mich.“ Sie sprach dieses Jahr an zwei verschiedenen Orten, darunter auch auf einem Militärstützpunkt.

Am 14. April war die Gedenkzeremonie zum Holocaust-Gedenktag im Haus in Haifa eine kleine interne Veranstaltung aufgrund der anhaltenden Sicherheitslage. Neben unseren Bewohnern nahmen nur einige Würdenträger der israelischen Regierung, aus der Region Haifa sowie aus verschiedenen ausländischen Botschaften teil.

 

PESSACH IM SCHATTEN DES KRIEGES

Zusätzlich der Teilnahme am traditionellen Pessach-Seder mit den Bewohnern im Haus in Haifa verteilte unser christliches Team vor Beginn des Festes auch viele Pessach-Lebensmittelpakete an Holocaust-Überlebende in der Region Haifa. Dazu gehörten auch persönliche Besuche bei einigen von ihnen zu Hause. Als wir eintraten, lag Iris, eine 88-jährige Holocaust-Überlebende, in ihrem Bett im Wohnzimmer. Als sie erfuhr, wer wir waren, war ihr Gesicht voller Freude. Sie war vor einigen Monaten gestürzt und hatte sich ihr Knie so schwer verletzt, dass sie die meiste Zeit im Bett verbringt. Von ihren vier Kindern hat nur eines Kontakt zu ihr. Umso größer war ihre Freude über die gemeinsame Zeit mit uns. Es fiel ihr schwer, uns gehen zu lassen, und sie bat uns, bald wiederzukommen. Als wir ins Auto stiegen, erhielten wir die Warnung vor eintreffenden Raketen aus dem Iran, und wir kehrten schnell zu Iris und ihrer Pflegekraft zurück, um an einem sicheren Ort zu warten. „Was für ein Segen, dass ihr wieder hier seid!“, rief Iris. „Jetzt kann ich euch noch ein wenig länger genießen …“

In einem anderen Haus wartete Yaacov bereits auf uns. Wir besuchen ihn normalerweise zu jedem Feiertag und bleiben das ganze Jahr über in Kontakt. Außer seinem Sohn, der ein paar Mal pro Woche vorbeizukommen versucht, besucht ihn sonst niemand. Er ist sich zunehmend seiner Vergesslichkeit bewusst, was ihn sehr belastet. Einsamkeit und die nachlassende Gesundheit belasten viele dieser Holocaust-Überlebenden, die noch zu Hause leben, sehr. Unser Besuch brachte einen Lichtblick und etwas Wärme in das Leben derjenigen, die allein leben.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung des Haifa Heims für Holocaust-Überlebende! 


Heilung auch für die Enkel

Das Trauma des Holocaust ist tief in die Seelen der Überlebenden eingegraben. Im Haifa-Heim erleben wir diese Realität jeden Tag. Aber wir erleben auch, wie Heilung geschieht.

Unsichtbare Wunden

Studien und Erfahrungsgeschichten zeigen, dass nicht nur Holocaustüberlebende, sondern oft auch ihre Kinder und Enkelkinder unsichtbare Wunden tragen. Sie weisen überdurchschnittlich häufig Angstzustände, Depressionen und sogar posttraumatische Belastungsstörungen auf, weil sie in Familien aufwuchsen, die von Verlust, Angst und dem Kampf ums Überleben gezeichnet waren.

Doch im Haifa-Heim zeigt sich, dass auch das Gegenteil möglich ist: Wenn Überlebende Würde, Freude und eine liebevolle Gemeinschaft erleben, geschieht Heilung, die ebenfalls bis in die nachfolgenden Generationen hineinwirkt.

Der Schmerz der Mutter

Noa Eldar Zakai versteht das zutiefst. Einmal wöchentlich leitet sie für unsere Bewohner musikbasierte Bewegungseinheiten – rhythmische Übungen, die Körper und Geist aktivieren. „Am Ende der Übungen gehen die Senioren lächelnd aus dem Raum“, erzählte uns Noa, die erfüllt ist von einer großen Liebe zu den Holocaustüberlebenden – geprägt durch ihre eigene Familiengeschichte.

Noas Vater entkam den Nazis, ihre Mutter überlebte in Auschwitz – als einzige ihrer Familie. Obwohl Noas Eltern sich in Israel ein neues Leben aufbauten, ließ das Trauma sie nie los. Ihre Mutter kämpfte jahrelang mit schweren Depressionen und nahm sich schließlich das Leben, als Noa gerade zehn Jahre alt war.

„Es hinterließ eine Leere in meinem Leben“, erzählte Noa von diesem Schmerz. „Ich war wütend, neidisch auf Familien, die ein normales Leben führten – und unendlich traurig über das, was meine Mutter erleiden musste.“

Mitten im Leben

Im vergangenen Sommer begann Noa, im Haifa-Heim zu arbeiten. „Ich wusste nicht, dass es diesen Ort gibt. Er hat mir eine ganz neue Welt eröffnet“, sagt sie. Das besondere Wohn-Konzept begeistert sie: Das Heim erstreckt sich praktisch über zwei Straßen hinweg. Die Wohnungen und Häuser befinden sich inmitten normaler Wohnhäuser. Die Senioren leben eigenständig in individuellen Wohnungen, je nach Bedarf mit persönlichen Pflegehelfern, die rund um die Uhr für sie da sind. Sie sind fest integriert in das Wohnviertel, können vor ihrer Wohnungstüre Gespräche mit jüngeren Nachbarn führen, Kinder in der benachbarten Schule spielen und lachen hören, Straßenkatzen füttern ... Täglich trifft man sich im Haupthaus zum gemeinsamen Essen, um zu feiern und Gemeinschaft zu erleben. Dies steht in starkem Kontrast zu vielen der schicken, teuren Seniorenheime, in denen die älteren Bewohner zwar alles haben, aber völlig von der Gesellschaft isoliert sind, zur Untätigkeit verdammt und vereinsamt.

Beeindruckt ist Noa außerdem vom Team des Heims. Hier arbeiten Israelis, Juden und Christen verschiedener Nationen Seite an Seite. Die Stimmung ist fröhlich, von Respekt und Vertrauen geprägt.

Staunen über Christen

„Zu erfahren, dass Christen auf der ganzen Welt Israel lieben und uns unterstützen, erfüllt mich mit Hoffnung“, sagt Noa. „Als israelische Jüdin glaubte ich immer, dass alle uns hassen. Deshalb freut es mich sehr, dass es Christen gibt, die Israel lieben und verstehen.“

Die letzten Monate und die Arbeit im Haifa-Heim haben ihr Klarheit für ihre eigene Zukunft gegeben. „Nach dem jüngsten Krieg weiß ich ganz sicher, dass mein Platz in Israel ist“, betont sie. „Die Holocaustüberlebenden bestärken mich in diesem Glauben.“

Bitte unterstützen Sie unser Heim für Holocaust-Überlebende. - Herzlichen Dank! 


Sonnenbad am Strand

Es gab viel zu tun und viel zu feiern in den letzten Wochen. Außerdem empfingen wir verschiedene Besuchergruppen, davon gleich mehrere aus Deutschland. Im Haifa-Heim wird es nie langweilig.

Segen von oben

Die drückende Sommerhitze ist verschwunden, die letzten Wochen waren angenehm kühl. Hin und wieder regnet es – dieser „Segen von oben“ ist sehr willkommen. Als Mitte Dezember Chanukka näher rückte, waren die christlichen Helfer unseres Haifa-Heims damit beschäftigt, Chanukka-Geschenke für die Bewohner und unsere israelischen Mitarbeiter vorzubereiten.

Veränderung der Umgebung ist für unsere Bewohner immer gut. Deshalb fand einer unserer letzten Gymnastikkurse am Strand statt. „Wunderbar“, sagte Haya, als sie den Wind durch ihr Haar wehen spürte.

Gymnastik am Strand

Auf den Stühlen sitzend, die das ICEJ-Team mitgebracht hatte, bewegten unsere Senioren unter Anleitung unserer Physiotherapeutin Simcha fröhlich ihre Hände und Arme. Die Bewegung, der Blick auf das Meer und die Brise vom Ozean sorgten für tiefe Glücksmomente.

Ganz in der Nähe befand sich ein neu eingeweihtes Denkmal für die Haim Arlozorov, ein Schiff, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fast 1.400 Holocaustüberlebende aus Europa nach Haifa brachte. Bis die britische Marine das Schiff 1947 vor der Küste von Haifa kaperte, die Holocaustüberlebenden auf andere Boote zwang und in das britische Internierungslager auf Zypern brachte. Bis heute liegen die Überreste des versenkten Schiffes etwa 70 Meter vor der Küste von Haifa.

Gekaperte Schiffe

Im selben Jahr kam unsere Heimbewohnerin Zelda, heute 97 Jahre alt, mit dem Schiff aus Europa, nachdem sie den Holocaust überlebt hatte. Auch ihr Schiff wurde von den Briten gekapert. Zelda und ihr Bruder wurden zusammen mit allen anderen jungen Menschen an Bord in ein Internierungslager auf Zypern gebracht.

Viele unserer Holocaustüberlebenden kamen per Boot nach Israel und landeten in Haifa, weshalb dieser Ort, an dem wir die Gymnastikstunde abhielten, für unsere Bewohner eine besondere Bedeutung hat.

Sonnenuntergang

Am späten Nachmittag spazierten wir noch mit vier Bewohnern entlang der neuen Promenade zur Gedenkstätte der Haim Arlozorov. Wieder wurden Erinnerungen ausgetauscht. Anschließend ließ sich die Gruppe auf einer Bank mit Blick auf das Meer nieder. Bei Tee und Keksen genossen alle die frische Brise und den farbenfrohen Sonnenuntergang über dem Mittelmeer. Die Atmosphäre war fröhlich und entspannt.

 „Ich habe es genossen!“, kommentierte Etta zum Abschied und Fanny ergänzte: „Das können wir wieder machen!“ Das werden wir.

Junger Besuch

Wenn ausländische christliche Jugendliche das Haifa Home besuchen, erfüllt das unsere Senioren mit besonderer Begeisterung. Deshalb war die Freude groß, als kürzlich mehrmals deutsche Jugendliche zu Besuch kamen. „Diese jungen Menschen machen mir viel Mut“, versicherte einer unserer Bewohner. „Wir sehen in der Welt nur antiisraelische Proteste in den Nachrichten, und dann sehen wir junge Menschen aus Deutschland, die sich für Israel einsetzen und uns sogar besuchen. Das gibt Hoffnung.“ Den Senioren war auch bewusst, dass es Mut kostet, trotz Kriegsgefahr nach Israel zu reisen.

Die Jugendlichen waren sehr froh, dass sie gekommen waren. So konnten sie mit eigenen Augen sehen, wie das Leben in Israel wirklich ist.

Streichelstunde

„Ich habe davon geträumt, wieder Hunde zu streicheln, und heute ist mein Traum wahr geworden“, sagte Sonja, die vor 42 Monaten mit ihrem Mann aus der Ukraine nach Israel gekommen war. Gleich drei liebenswerten Hunde ließen sich gerne von ihr streicheln. Unsere Senioren Arnold und Boris hingegen wagten es sogar, Schlangen anzufassen und zu tragen.

Oded, der Leiter des Streichelzoos, lud uns ein, wiederzukommen. Noch dem sehr positiven Erfahrungen wollen wir nun öfter mit Bewohnern zu Besuch kommen. Odeds Vater, ein Nobelpreisträger für Chemie, finanziert dieses ganz besondere Projekt, das unter anderem regelmäßig Kinder mit Behinderungen empfängt und ihnen hilft, Ängste zu überwinden und den Umgang mit Tieren zu lernen. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl und ihr Vertrauen in die Welt.

 

Im Namen aller Holocaustüberlebenden unseres Haifa-Heims danken wir Ihnen, liebe ICEJ-Freunde, für Ihre Gebete, Spenden oder Besuche 2025, die dazu beigetragen haben, unseren Bewohnern einen schönen Lebensabend in Würde zu ermöglichen.


Speisesaal

Nach dem Ende des intensiven 12-tägigen Krieges mit dem Iran, bei dem Raketen schwere Schäden in Haifa angerichtet haben, versuchen wir, wieder zu einem normalen Leben zurückzukehren.

Solidaritätsbesuch

Eine kleine Gruppe unserer Heimbewohner – alle in ihren Neunzigern – wollten dem Kibbuz Hanita einen Besuch abstatten. Der Kibbuz liegt direkt an der libanesischen Grenze und war nach massivem Raketenbeschusses durch die Hisbollah monatelang evakuiert. Heute sind etwa 80 Prozent der Bewohner zurückgekehrt. Viele Geschäfte sind noch geschlossen, dennoch lag ein Gefühl von Leben und Hoffnung in der Luft.

Der Kibbuz wurde 1938 während des britischen Mandats als Turm- und Palisadensiedlung gegründet, an einem isolierten, aber strategisch wichtigen Ort. Ob Baumaterial oder Vorräte – alles, was der Kibbuz benötigte, musste unter bewaffnetem Schutz herangeschafft werden. Hanita zeugt von der großen Widerstandskraft und dem Mut des jüdischen Volks – wie auch unsere Heimbewohner.

Genuss am Meer

Von Hanita aus machten wir uns auf den Weg nach Nahariya, um dort ein schönes Mittagessen am Meer zu genießen. Die Sonne tanzte auf den Wellen, während wir das Panorama genossen. „Es ist schön, ein bisschen aus den eigenen vier Wänden zu kommen“, freute sich Zelda, die gerade ihren 97. Geburtstag gefeiert hatte.

Als wir nachmittags wieder zum Heim zurückkehrten, stig gleich die nächste Gruppe russischsprachiger Bewohner in den Kleinbus – sie wollten Haifa erkunden. Ihre Reise endete süß, mit Eis und Kaffee in einem sonnigen Café in Stella Maris am Westhang des Karmels.

Die Nachrichten über gefallene Soldaten, die Unruhen in Syrien und der weitweite Anstieg des Antisemitismus belasten viele unserer Bewohner schwer.

Enge in der Brust

„Tagsüber haben wir unsere Aktivitäten“, sagte Naomi. „Wir sind zusammen und beschäftigen uns mit anderen Dingen. Aber wenn ich nach Hause komme, spüre ich diese Enge in meiner Brust. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine Zeit erleben würde, in der ein weiterer Holocaust möglich erscheint. Aber langsam fühlt es sich so an.“

„Es bricht mir das Herz“, pflichtet Haya bei. „So viel Tod, so viel Hass.“ Haya liest Psalmen. „Sie geben mir Kraft“, sagt sie. „Wir müssen stark bleiben. Möge Gott uns helfen.“

Enkel in Gaza

„Dieser Krieg geht mir ständig durch den Kopf“, erzählt auch Fanny. Mehrere ihrer Enkel müssen als Reservisten in der israelischen Armee kämpfen. „Meine Enkelkinder rufen mich aus Gaza an und sagen: Omilein, mach dir keine Sorgen. Uns geht es gut.“ Aber wie soll man sich als Oma da keine Sorgen machen? Große Sorgen macht ihr auch der neue weltweite Judenhass. „Es ist beängstigend. Es sieht noch schlimmer aus als zu unserer Zeit“, glaubt sie. „Warum hassen sie uns so sehr?“

Die Worte unserer Heimbewohner machen uns deutlich: Dies ist nicht nur eine weltweite politische Krise, sondern auch eine zutiefst persönliche für diejenigen, die bereits die dunkelsten Kapitel der jüdischen Geschichte durchlebt haben.

Bitte unterstützen Sie das Haifa-Heim mit Ihrer Spende. Herzlichen Dank. 

 

 

 


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