Äthiopische Aliyah-Flüge bringen Hoffnung inmitten erneuter Konflikte: ICEJ setzt ihre Mission fort.

Trotz erneuten Konflikten in der Region Tigray in Äthiopien, setzt die ICEJ ihre gesponserten Aliyah-Flüge fort und bringt äthiopische Juden nach Israel.  Die Sicherheitslage jedoch hat sich verschlechtert.

Erneute Gewalt in Tigray

Die Rebellen in Tigray haben die äthiopische Regierung beschuldigt, tödliche Drohnenangriffe in der Region durchgeführt zu haben. Dies weckt Befürchtungen eines erneuten Konflikts, nach dem Friedensabkommen vor vier Jahren, welches einen verheerenden zweijährigen Krieg beendet hatte.

Die Vorwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich nationale Streitkräfte und regional Streitkräfte aus Tigray seit Monaten auf gegenüberliegenden Seiten der Grenze sammeln. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den Konflikt, der die nördliche Region zwischen 2020 und 2022 verwüstet hat, erneut entfachen zu wollen. Die TPLF erklärte, dass am 1. August auch Kämpfe zwischen nationalen Truppen und ihren Einheiten im nordwestlichen Tigray, nahe der sudanesischen Grenze, ausgebrochen seien.

Ein fragiler Frieden unter Druck

Tigray, Heimat von etwa sechs Millionen Menschen, war Schauplatz eines brutalen zweijährigen Konflikts zwischen den TPLF-Streitkräften und der äthiopischen Armee, die von lokalen Milizen und eritreischen Truppen unterstützt wurde. Der Krieg endete mit einem im November 2022 unterzeichneten Friedensabkommen. Eine Schätzung der Afrikanischen Union bezifferte die Zahl der Todesopfer auf mindestens 600.000 und machte den Konflikt zu einem der tödlichsten in Afrika in den letzten Jahrzehnten.

Doch das Friedensabkommen ließ mehrere Fragen ungelöst. Die Rückkehr der Vertriebenen und die Entwaffnung der TPLF-Streitkräfte sind noch nicht geschehen, während territoriale Streitigkeiten weiterhin Spannungen schüren. Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed hat erklärt, dass „die Tür zum Frieden offen bleibt“, beschuldigte die TPLF jedoch, an einem veralteten politischen Modell festzuhalten und äußeren Interessen zu dienen.

Das Pretoria-Abkommen von 2022 ließ zentrale Fragen ungelöst, darunter die administrative Zukunft umstrittener Gebiete wie West-Tigray und dem Raya-Tal – einem strategisch wichtigen Gebiet entlang der Straße, die Addis Abeba mit Mekelle verbindet. Die Entwaffnung bleibt umstritten, und nicht alle Vertriebenen sind zurückgekehrt.

Einwanderung inmitten der Krise

Trotz der schwierigen Lage fliegen weiterhin von der ICEJ gesponserte Flüge äthiopische Juden nach Israel. Als Israel vor Kurzem das Fest Schawuot feierte, landeten 27 neue äthiopisch-jüdische Einwanderer am Ben-Gurion-Flughafen – darunter ein 92-jähriger Großvater, der ein Leben lang darauf gewartet hatte, das Gelobte Land zu erreichen. Die Gruppe traf mit Flügen ein, die von der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem in Partnerschaft mit der Jüdischen Agency für Israel gesponsert wurden.

In einer weiteren bemerkenswerten Geschichte beendete ein 62-jähriger äthiopisch-jüdischer Mann nach 38 Jahren eine Odyssee durch den Sudan und kehrte zu seiner Familie in Israel zurück. Vor Jahrzehnten war er heimlich mit seinen Verwandten aufgebrochen und zu Fuß über den Sudan nach Israel gegangen – wie so viele andere äthiopische Juden damals. Unterwegs wurde er entführt und musste ums Überleben kämpfen, indem er unter der falschen Identität eines Muslims lebte. Seine Familie in Israel gab jedoch nie die Hoffnung auf, ihn wiederzusehen.

Auf dem Herzlberg in Jerusalem steht ein Denkmal für die vielen äthiopischen Juden, die vor Jahrzehnten bei der Alija zu Fuß durch den Sudan ums Leben kamen. Diese Woche wurde sein Name von diesem Denkmal entfernt – während seine Anwesenheit- lebendig und umgeben von seiner Familie.

Humanitäre Notlage für äthiopiesche Juden, die auf die Ausreise warten

Während diese Ankünfte Grund zur Freude geben, bleibt die Lage der äthiopischen Juden, die noch in den kriegszerrütteten Regionen Amhara und Tigray im Norden Äthiopiens leben, ein humanitärer Notfall. Zwischen zirka 7.000 bis 12.000 Menschen halten sich weiterhin in „Wartebereichen“ in Gondar (Amhara) und Addis Abeba auf und sind mit extremer Armut, Hunger und der drohenden Gefahr von Gewalt konfrontiert.

Die Kämpfe haben die Lieferketten unterbrochen, wodurch die Lebensmittelpreise in die Höhe geschossen sind, während viele Bewohner nicht arbeiten können. Der Großteil der jüdischen Gemeinde lebt in einräumigen Lehmhütten ohne Strom und fließendes Wasser, und Familien berichten, dass ihnen die Nahrung ausgeht. Mindestens ein Mitglied der Gemeinde ist bei den jüngsten Schusswechseln ums Leben gekommen.

In der Region Amhara ist die Situation dramatisch. Der anhaltende Konflikt zwischen dem äthiopischen Militär und lokalen Milizen hat ganze Gemeinden lahmgelegt. Nach schweren Gefechten in der Nähe der jüdischen Lager in Gondar hat die Regierung einen sechsmonatigen Ausnahmezustand verhängt.

Eine Delegation orthodoxer Rabbiner im März 2025 beschrieb die Zustände als „humanitären Notfall“ und stellte fest, dass Familien mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von nur 600 US-Dollar leben und unter chronischer Unterernährung leiden. Besonders gefährdet sind die Kinder, von denen viele Anzeichen von Wachstumsstörungen und vermeidbaren Krankheiten zeigen.

Biblischer Auftrag und prophetische Verheißung

Für die ICEJ und ihre Unterstützer hat die anhaltende Alija aus Äthiopien eine tiefgreifende biblische Bedeutung. In der Heiligen Schrift wird Äthiopien – beziehungsweise Kusch – ausdrücklich im Zusammenhang mit der Sammlung von Gottes Volk erwähnt.

Zefanja 3,10 ist dabei von besonderer Bedeutung:

„Von jenseits der Ströme Äthiopiens werden meine Anbeter, die Tochter meiner Zerstreuten, mir ihre Opfergabe darbringen.“

Klassische Bibelausleger verstehen diese Stelle als eine Prophezeiung über die Rückkehr zerstreuter Juden aus Äthiopien, die nach Jerusalem zurückkehren, um Gott anzubeten. Sie wird als eine direkte Vorhersage der Rückkehr der äthiopischen Juden betrachtet, wobei ihre Reise selbst als eine Opfergabe für Gott beschrieben wird.

Auch Psalm 68,32 erklärt: „Fürsten werden aus Ägypten kommen; Äthiopien wird bald seine Hände zu Gott ausstrecken.“

Jesaja 11,11–12 enthält ebenfalls eine zentrale Prophezeiung über eine Sammlung des Volkes Gottes „zum zweiten Mal“. Äthiopien wird darin ausdrücklich als eines der Länder genannt, aus denen Gott sein Volk zurückholen wird.

Ein Aufruf zum Handeln

Die Wunder, die sich durch die Erfüllung des Traums eines 92-jährigen Großvaters und die Rettung eines 62-jährigen Überlebenden ereignet haben, wurden beide durch ihre Hoffnung auf die bleibende Verheißung der Rückkehr nach Zion möglich. Doch für Tausende, die noch immer in Amhara und Tigray festsitzen, ist diese Verheißung noch nicht erfüllt. Als Christen sind wir dazu berufen, Gottes Volk zu trösten und ihm zu helfen, in seine Heimat zurückzukehren.

Die größte Hoffnung der meisten dieser Familien besteht darin, nach Israel auszuwandern. Doch dieser Prozess ist weitgehend ins Stocken geraten. Zwar kam es vor Kurzem unerwartet zu einer kleinen Einwanderungswelle, doch der Weg für die größere Gruppe der Falasch Mura – Nachkommen von Juden, die vor mehreren Generationen gezwungen wurden, zum Christentum überzutreten – ist blockiert.

Mehr als 1.200 Menschen haben bereits die Genehmigung des israelischen Innenministeriums erhalten, werden jedoch nicht nach Israel gebracht. Infolgedessen leben Kinder und Erwachsene weiterhin unter diesen gefährlichen und von Armut geprägten Bedingungen. Sie sind von nahen Angehörigen in Israel getrennt, darunter auch von Familienmitgliedern, die in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften dienen.

Während die israelische Regierung Maßnahmen aufschiebt, bemühen sich humanitäre Hilfsorganisationen darum, die Lebensmittelversorgung zu verbessern und das Überleben der Menschen zu sichern, bis der Einwanderungsprozess abgeschlossen ist. Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) bleibt entschlossen, sich für eine rasche Alija einzusetzen und vor Ort konkrete Hilfe zu leisten.

Seit 1992 unterstützt die ICEJ die Bemühungen zur Eingliederung äthiopischer Juden in Israel. In jüngerer Zeit hat sie zudem seit 2011 Alija-Flüge für mehr als 3.400 neu eingewanderte Menschen aus Äthiopien finanziert.

Lasst uns die Ankunft derjenigen feiern, die gerade Israel erreicht haben, und zugleich für jene arbeiten und beten, die unter äußerst schwierigen Bedingungen weiterhin auf ihre Rückkehr warten und dringend unsere Hilfe benötigen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!. 

 


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