Die Bewohner des ICEJ-Heims für Holocaust-Überlebende in Haifa haben die jüngste Eskalation des langen, intensiven Krieges mit dem Iran und der Hisbollah durchgestanden und genießen nun die Sommermonate. Sie leben ihre Kreativität und Kunst aus und bereichern damit die ganze Gemeinschaft.
Fragiler Waffenstillstand zum Sommerbeginn
Trotz der anhaltenden Kämpfe mit der Hisbollah im nahegelegenen Libanon ist es in Haifa ruhig geblieben. Es ist wärmer geworden und die Natur steht in voller Blüte – die perfekte Gelegenheit, unsere Bewohner so oft wie möglich nach draußen zu bringen.
Ausflüge an die wunderschönen Strände von Haifa waren für viele unserer Bewohner ein echtes Highlight. Nachdem sie so lange in ihren Zimmern sein mussten, nur von Wänden und Decken umgeben, war die erfrischende Meeresbrise und der endlose Blick aufs Meer eine Erfrischung für Körper, Geist und Seele. Mit einem leckeren Eis als Abschluss war das Ganze wirklich eine gelungene Aktion.
Einige Gymnastikstunden fanden sogar am Strand statt – mit Übungen im Sand, Laufwettbewerben mit den Betreuern und viel Lachen und Spaß. Das ICEJ-Team sucht ständig nach kreativen Wegen, um unsere wertvollen Holocaust-Überlebenden zu unterstützen und zu pflegen.
„Das hat so viel Spaß gemacht“ sagten unsere Bewohner mit einem breiten Lächeln, als sie von der Strandgymnastik zurückkehrten.
Das eigene Land und Erbe kennenlernen
Unsere ukrainisch- und russischsprachigen Bewohner freuen sich weiterhin sehr über Vorträge über das Land Israel, die gelegentlich mit Ausflügen und Exkursionen verbunden werden.
Diesmal besuchte die Gruppe das Hecht-Museum in Haifa. Das Museum liegt auf dem Campus der Universität Haifa und konzentriert sich auf Archäologie und Kunst des Landes Israel. Es bietet faszinierende Einblicke in die antike Vergangenheit der Region.
„Wunderbar! Ich liebe, wie Israel Haifa auf den Bergrücken gebaut hat – mit Gebäuden und Bäumen –, und die Universität ist ebenfalls beeindruckend“, sagte Arnold vom obersten Stockwerk der Universität mit Blick über die Stadt.
Sonia, die oft im Haus bleiben muss, freute sich sehr, hinauszukommen und etwas Neues zu entdecken. „Das Museum ist wunderschön – so schön und ruhig – und die antiken Artefakte haben mich wirklich beeindruckt“, versicherte sie.
Auf dem Rückweg zum Haifa-Heim erzählte Lena: „Obwohl ich bei der Ankunft sehr müde war, fühle ich mich jetzt an Körper und Seele erfrischt. Diese Ausflüge helfen mir, Israel noch mehr zu lieben.“
Geburtstage — Immer ein guter Grund, das Leben zu feiern
Die Geburtstage unserer Bewohner zu feiern, bleibt ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Viele von ihnen haben keine Familie in der Nähe oder niemanden, mit dem feiern können.
Wenn wir mit Liedern, Luftballons und einer Geburtstagskarte ankommen, bedeutet es ihnen so viel zu wissen, dass man an sie denkt und geliebt zu werden. Als Teil der Geburtstagsfeier legen wir auch einen Gutschein für unseren Schönheitssalon bei.
Abschied nehmen
Kürzlich hatten wir einen besonderen Abschied, der sowohl freudig als auch bittersüß war. Wir wünschen der Krankenschwester Christine vom ICEJ-Heim in Haifa alles Gute.
Christine, ursprünglich aus Deutschland, stieß vor vier Jahren zu unserem ICEJ-Team im Haifa-Heim. In dieser Zeit wurde sie zu einem unschätzbaren Teil unseres Teams. Als Krankenschwester überwachte sie sorgfältig die Gesundheit unserer Bewohner und eignete sich ein umfangreiches Wissen über das israelische Gesundheitssystem an. Außerdem lernte sie fließend Hebräisch und brachte viele weitere Fähigkeiten und Gaben in unsere Gemeinschaft ein.
Christine hat in Israel einen Partner gefunden, geheiratet, und nun erwarten die beiden Nachwuchs. Sie hat inzwischen ihren Mutterschaftsurlaub angetreten – der freudige Teil des Abschieds. Gleichzeitig werden die Bewohner und das Personal sie schmerzlich vermissen. Sie hinterlässt eine große Lücke in unserer Haifa-Heim-Familie. Ihre medizinische Fachkenntnis, ihre fließenden Hebräisch- und Russischkenntnisse sowie ihre Erfahrung im Umgang mit dem israelischen Gesundheitssystem sind nicht leicht zu ersetzen, besonders für Freiwillige aus dem Ausland. Für ihren Abschied, haben wir zusammen mit den Bewohnern eine Babyparty organisiert, bei der jeder die Gelegenheit hatte, ihr für ihren Dienst zu danken und ihr alles Gute für diesen neuen Lebensabschnitt zu wünschen. Derzeit ist noch ungewiss, ob Christine nach ihrem Mutterschaftsurlaub zurückkehren wird.
Schawuot-Feier
Schawuot – das biblische Wochenfest – wurde Ende Mai gefeiert und fiel in diesem Jahr zeitlich nah an Pfingsten. Das Fest wird auch als „Übergabe der Tora“ bezeichnet. Viele unserer jüngsten Aktivitäten drehten sich um dieses schöne biblische Fest. Eine örtliche Schulklasse besuchte unsere Bewohner zum gemeinsamen Singen und zu besonderen Aktivitäten rund um das Thema Shawuot.
Auch in unseren Hebräisch-Kursen und Kunsttherapie-Sitzungen thematisierten wir das Fest. In der Kunsttherapie malte jeder Teilnehmer eines der sieben Früchte des Landes Israel (5. Mose 8,8) – die sieben wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die im Land heimisch sind. Am Ende der Aktivität erhielt jeder einen schönen Korb mit einem Kunstwerk, das von einem der Bewohner gemalt worden war.
„Chag Sameach“ („Ich wünsche dir ein fröhliches Fest“) ist der Gruß, der in den Tagen vor Schawuot in ganz Israel üblicherweise gewünscht wird.
Ritas Kaffeeliebe
Rita, eine unserer geschätzten Bewohnerinnen, die durch ihren Auftritt in der Dokumentation Miss Holocaust weltweit bekannt wurde, hat Cafés schon immer geliebt. Viele Jahre lang gehörte es zu ihren schönsten Gewohnheiten, sich mit Freunden auf eine Tasse Kaffee zu treffen.
Mit den Jahren ist es für sie jedoch deutlich schwieriger geworden, das Haus zu verlassen. Doch unser Team ist überzeugt, dass Herausforderungen vor allem Chancen sind, besondere und bedeutungsvolle Momente zu schaffen.
Vor Kurzem eröffnete mitten in einem wunderschönen Park, unweit des Heims, ein neues Café. Unsere Physiotherapeutin Simcha lud Rita und ihre Betreuerin zu einem besonderen Ausflug dorthin ein. Der Weg erforderte einiges an Anstrengung – einschließlich eines Stücks zu Fuß und der letzten Strecke im Rollstuhl – doch jeder Aufwand hat sich gelohnt.
Die Freude in Ritas Gesicht war ansteckend. Sie genoss den Kaffee, die ruhige Atmosphäre inmitten der Natur und die Möglichkeit, wieder einmal etwas Besonderes zu erleben. Seit diesem Ausflug spricht sie ununterbrochen davon. Für Rita bedeutete dieser scheinbar einfache Cafébesuch die Welt.
Ein Flohmarkt der Großzügigkeit
Vor Kurzem haben wir im Heim erneut einen Flohmarkt veranstaltet und damit einen ganz gewöhnlichen Tag in ein fröhliches und lebendiges Gemeinschaftserlebnis verwandelt.
Im Laufe der Zeit wurden unseren Bewohnerinnen und Bewohnern viele Dinge von Gästen aus dem Ausland geschenkt. Andere Gegenstände stammten von Bewohnern selbst, die sie gerne an andere weitergeben wollten. Anstatt diese Dinge ungenutzt aufzubewahren, entstand die Idee eines Flohmarkts, bei dem alles kostenlos ist.
Direkt vor dem Speisesaal kamen Bewohnerinnen und Bewohner, Pflegekräfte und Betreuende zusammen. Im Hintergrund spielte Musik, und immer wieder blieben Besucher stehen, um in Ruhe zu stöbern. Alle waren eingeladen, sich die Dinge auszusuchen, die ihnen gefielen oder die sie gut gebrauchen konnten. Am Ende der Veranstaltung hatte fast jeder Gegenstand ein neues Zuhause gefunden.
